Was ist in mir abgespeichert, dass ich mich selbst kaputt mache?
Diese Frage stellte mir eine Klientin letzte Woche. Sie arbeitet 60 Stunden pro Woche, sagt zu allem Ja, obwohl sie erschöpft ist – und spürt dabei eine diffuse Angst, die sie nicht greifen kann.
Die Antwort liegt oft tiefer, als wir denken.
Die Wahrheiten, die wir nicht hinterfragen
Als Kinder ziehen wir aus unseren Erfahrungen Schlüsse über uns selbst. Diese „Wahrheiten" speichern sich ab – und werden nie wieder überprüft:
- „Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste."
- „Meine Bedürfnisse sind zu viel."
- „Ich darf nicht zur Last fallen."
- „Liebe muss ich mir verdienen."
- „Wenn ich Fehler mache, bin ich nicht okay."
Diese Sätze entstehen aus Mangelerfahrungen: Mangel an bedingungsloser Annahme, an Sicherheit, an Raum für eigene Gefühle. Ein Kind, dessen Bedürfnisse übersehen wurden, schließt daraus nicht: „Meine Eltern waren überfordert." Es denkt: „Ich bin nicht wichtig genug."
Wenn das Leben uns widerspricht
Das Problem: Diese kindlichen Wahrheiten bleiben aktiv – auch wenn unser erwachsenes Leben längst anders aussieht.
Ein Beispiel: Eine Frau hat beruflich Erfolg, wird geschätzt, hat liebevolle Beziehungen. Und trotzdem kann sie nicht Nein sagen. Trotzdem treibt sie sich bis zur Erschöpfung. Trotzdem fühlt sich jede Pause wie ein Verrat an.
Der Widerspruch zwischen „Ich werde geliebt, wie ich bin" (äußere Realität) und „Ich muss mich beweisen, um okay zu sein" (innere Wahrheit) erzeugt einen psychischen Druck, den sie nicht bewusst spürt. Sie fragt sich nur: „Warum kann ich nicht einfach aufhören, mich kaputt zu machen?"
Die unsichtbare Last
Diese unbewussten Widersprüche sind wie ein Motor, der im Hintergrund läuft. Du merkst nicht, dass er da ist – aber er kostet dich Energie. Er treibt Ängste an. Er formt dein Verhalten. Er lässt dich gegen dich selbst arbeiten.
Erst wenn wir diese alten Wahrheiten ans Licht holen und fragen: „Stimmt das überhaupt noch?" – können wir wählen, ob wir weiter nach ihnen leben wollen.
Was ist in dir abgespeichert?
Welche Wahrheit über dich selbst hast du nie hinterfragt? Und was würde sich verändern, wenn du es tätest?
