Unbewusste Lebensmuster

Im Laufe der tiefenpsychologischen Arbeit haben sich zwölf Lebensmuster gezeigt, die bei fast jedem Menschen in irgendeiner Form auftauchen. Sie wirken unbewusst, prägen aber Gedanken, Gefühle und Entscheidungen – oft stärker, als uns lieb ist. Hier lernst du diese Muster kennen. Vielleicht entdeckst du dabei auch eines, das dir vertraut vorkommt.

Nicht existieren

Du glaubst, keine Daseinsberechtigung zu haben und lebst oft dementsprechend. Oder du versuchst, dir diese Existenzberechtigung zu verdienen, indem du gebraucht wirst. Demzufolge opferst du deine ganze Zeit und Energie, um anderen zu helfen und zu dienen. Das können die Familie, die Eltern, die Firma sein – oft alle drei Bereiche.

Nicht wichtig sein

Du strengst dich enorm an, vermisst aber die angemessene Anerkennung. Kommt diese doch einmal, kannst du sie nicht annehmen, weil du denkst, dass du sie doch nicht verdient hast. Oder du weist die Anerkennung zurück, weil du glaubst, der andere mache das nur aus Mitleid.

Nicht erfolgreich sein

Beruflich wie privat erlebst du immer wieder, dass du nicht zum Ziel kommst  oder alles gut anfängt und dann einbricht – auch weil du oft zum Scheitern unbewusst beiträgst. Es scheint dir verwehrt, glücklich oder zufrieden zu werden. Wenn es dir jedoch gut geht, plagen dich quälende Schuldgefühle, dass es anderen nicht so gut geht, und du sorgst unbewusst dafür, dass du doch wieder leidest.

Nicht normal sein

Du glaubst, dass du etwas Besonderes bist und erwartest entsprechenden Respekt und pausenlose Anerkennung. Auf Kritik reagierst du massiv gekränkt und schwörst Rache. Selbstkritik ist dir fremd, denn schuld sind immer die anderen oder die Umstände. Trotz deines gewinnenden Wesens kommt man dir nicht wirklich nahe.

Nicht gut für sich sorgen

Du willst es oft anderen recht machen und vernachlässigt dabei deine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen. In Gruppen oder Beziehungen ordnest du dich schnell unter oder übernimmst unbequeme Aufgaben für andere. Sich angemessen abzugrenzen oder eigene Gefühle und Wünsche zu äußern fällt dir schwer.

Nicht erwachsen sein

Auf den ersten Blick: nett, hilfsbereit und kompetent. Zwei Varianten zeigen das Nicht-Erwachsen-Sein. Übertriebene Anpassung an andere gepaart mit schlechtem Durchsetzungsvermögen und der Scheu vor Verantwortung. 
Oder unpassende Rebellion gegen „Autoritäten“ und vermeintliche Einschränkungen der persönlichen Freiheit zeigen. In nahen Beziehungen fällt es dir schwer, erwachsen zu sein und sich auf Augenhöhe zu fühlen. Stattdessen idealisierst du den Partner oder versuchst, ihn/sie zu dominieren. Auffällig ist das starke äußere oder innere Gebundensein an die Eltern.

Nicht zufrieden sein

Du kannst und machst vieles gut, kannst dich aber darüber nicht freuen.  Du kritisierst dich selbst, dass du es noch etwas besser hättest machen können. Was du eigentlich beweisen musst und wann es bewiesen wäre, weißt du nicht. Die Fähigkeit zum Fühlen wurde früh verlernt oder verboten. Nur das reibungslos Funktionieren – beruflich wie privat – zählt und wird bis zur Perfektion vervollkommnet.

Nicht aggressiv sein

Du hast früh gelernt, keinen Ärger zu zeigen, weil das mit Sanktionen belegt war. Sich abzugrenzen oder etwas für sich einzufordern, löst Schuldgefühle und starke Ängste aus. Der aufgestaute Ärger entlädt sich zuweilen trotzdem, was dich noch mehr erschreckt, zu welchen „Gewaltausbrüchen“ du fähig bist. Ein noch stärkeres Kontrollieren der eigenen Aggression ist die Folge.

Nicht fühlen

Du versuchst, dein Leben mit Verstand und Logik zu meistern. Du hast die Angst, von den eigenen Gefühlen überflutet zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden.

 

Nicht besser sein

Einen Vortrag zu halten oder sich in einem Meeting zu Wort zu melden, löst starke Ängste aus. Du weißt, dass du auch Kluges zu sagen hättest, aber die Hürden erscheinen unüberwindbar. Sich zu zeigen oder auf seine Leistungen aufmerksam zu machen, ist dir peinlich. Du hoffst darauf, dass man dich „entdeckt“ und bist neidisch auf andere, die bei schlechterer Performance einen guten Eindruck machen.

Nicht schwach sein

Du bist über lange Jahre sehr einsatzbereit, leistest viel und funktionierst perfekt. Dann kommt ein Einbruch, ausgelöst durch eine berufliche, private oder gesundheitliche Krise. Du beginnst an allem zu zweifeln und findest an nichts mehr Gefallen. Fragen wie „Wofür mache ich das alles?“ und „Warum lebe ich?“ tauchen auf und du  hast darauf erst einmal keine Antwort.

Nicht dazu gehören

Du fühlst dich häufig fehl am Platz, ziehst dich allgemein schnell zurück. Glaubst, dass du irgendwie anders bist als andere und deswegen eher stören würdest oder eine Belastung bist.

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